Selbstversuch: Ein Monat ohne Google Reader

Die Abschaltung des Google Reader rückt näher (Google Reader Blog). Ich habe dem Dienst deshalb vor genau einem Monat den Rücken gekehrt und bin auf Fever umgestiegen (wie hier beschrieben). Zeit, ein kurzes Resümee zu ziehen.

Das Setup von Fever auf dem eigene Webspace war kein Problem, erfordert aber ein wenig IT-Kenntnisse - insbesondere, um den Automatismus zum regelmäßigen Abfragen aller Feeds in Gang zu bringen. Letzteres hat in meinem Setup auch zunächst nicht zuverlässig funktioniert. Es gab immer wieder Zeiten, in denen die Feeds einfach nicht aktualisiert wurden. Woran das lag ist mir nicht klar - allerdings funktioniert das jetzt seit 2-3 Wochen problemlos ohne dass ich etwas verändert habe.

Google Reader habe ich bisher in erster Linie über die Reeder Apps für iPhone, iPad und Mac genutzt, der für mich weiterhin den beste RSS Client darstellt. Leider unterstützt bisher nur die iPhone Variante Fever - iPad und Mac sollen aber folgen. Grund genug, mal eine Alternative auszuprobieren. Meine Wahl fiel auf Ashes for Fever (aktuell 6,99€ im App Store, Universal), das im Vergleich zum Konkurrenten Sunstroke im Moment noch die besser iPad Unterstützung bietet.

Seit Version 1.1 ist Ashes for Fever auch wirklich sehr brauchbar und ist täglich mehrfach im Einsatz und auf meinem Homescreen fest verankert. In der App logge ich mich mit meinen Fever Zugangsdaten ein und kann damit alle gespeicherten Feeds lesen.  Neue Feeds lassen sich leider nicht hinzufügen - eine Einschränkung der Fever API, für die die App nichts kann. Der Lesestatus eines Artikels wird zurück an den Server gespielt, sodass ich immer weiß, welche Feeds und Artikel noch ungelesen sind - egal, über welchen Client ich zugreife. Die App sieht trotz außergewöhnlichem Farbschema (schwarz / orange) insgesamt sehr schick aus - für mich immer wichtig, wenn ich eine App häufig nutze. Die Bedienung basiert teilweise auf Gesten, die die Arbeit deutlich vereinfachen. Leider wird die Wisch-Bewegungen zur Navigation zurück nicht immer sauber erkannt - das nervt und ist bei Reeder deutlich zuverlässiger. Umso schwerer wiegt dieses Problem, weil die Geste nicht optional ist sondern die einzige Möglichkeit, aus einem Artikel zurück zur Übersicht zu kommen. Ansonsten ist die App auf meinem 5er iPhone und 3er iPad schnell genug und bietet einige Sharing-Optionen (inkl. Instapaper und Pocket), die aber leider nicht konfigurierbar sind. Schmerzlich vermisse ich allerdings die Möglichkeit, per Readability o.ä. den Volltext eines Artikels, der nicht im Feed selbst enthalten ist, innerhalb der App zu lesen. Auch hier wird hoffentlich noch nachgebessert.

Die Fever Web-App ist in Ermangelung eines Mac-Clients derzeit auf dem Desktop meine News-Zentrale. Im Vorfeld war die insbesondere die WebApp meine größte Sorge beim Umstieg vom Google Reader auf Fever. Das hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. Ich bin zwar ein App-Fan, aber die Web-App leistet wirklich gute Dienste. Sie ist übersichtlich, schnell und nach ein paar manuellen Stylesheet-Anpassungen (Schriftgröße und Schriftart!) auch recht schick. Leider fehlt die Möglichkeit, Feeds manuell zu sortieren - es gibt nur die automatische alphabetische Sortierung. Mein Workaround: Durchnummerierung mit 01_. Nicht schön, aber funktioniert.

Zwischenfazit: Der Umstieg auf Fever war nicht alternativlos - es gab und gibt eine Reihe andere Möglichkeiten, die einem das Hosting auf dem eigene Webspace erspart. Fever war für mich aber auch ein kleiner Testballon für selbst gehostete Dienste und alleine schon aus dieser Perspektive ein voller Erfolg. Aber auch unabhängig davon kann Fever die Lücke, die Google Reader in Kürze aufreißen wird, schließen. Der Dienst funktioniert weitgehend problemlos und schnell und der Sync zwischen allen Clients ist zuverlässig. Die App-Situation ist allerdings durchaus ausbaufähig. Schön wäre auch, wenn der Entwickler bald wieder Zeit für die Weiterentwicklung der Software und API finden würde.

Update vom 17.06.2013: Ich bin zwischenzeitlich von Ashes auf Sunstroke umgestiegen. Sunstroke (aktuell 4,49€ im App Store, Universal) liegt bereits in Version 1.4 vor, und das merkt man der App auch an. Sunstrokes iPad Support ist zwar (noch) weniger gut ausgeprägt, aber die App hat einige Vorteile gegenüber Ashes: Der Style ist nicht ganz auf aufdringlich wie Ashes' orange/schwarzes Layout. Und besonders in Details (Artikel als gelesen markieren) funktioniert Sunstroke einfach besser - und ist dazu auch noch eine Ecke schneller. Außerdem - und das hat mich an Ashes zuletzt am meisten gestört - werden Überschriften und Vorschautexte auf den Übersichtsseite nicht sang und klanglos abgeschnitten.